The most common way people give up their power is by thinking they don’t have any. – Alice Walker

[Die häufigste Art auf die Menschen ihre Macht aufgeben, ist zu denken, dass sie keine haben.]

Ich habe den Film „MissRepresentation” gesehen, und ich kann nur sagen: Wenn ihr irgendwie die Möglichkeit habt, ihn zu sehen, nutzt sie! Es geht um die misogynistische Darstellung von Frauen* in Medien und eindrucksvoll werden die Konsequenzen für das Leben von Mädchen* und Frauen* und Männern* und Jungen* aufgezeigt. Der Film schockiert und entsetzt, vor allem aber macht er wütend!
So, will ich nicht von den Medien dargestellt werden! Das Leben von Frauen* in Wirklichkeit ist so viel reicher, vielschichtiger, bunter, schwieriger, schöner, lebendiger, als die immer gleichen Bilder, die über die Bildschirme flammen. Hört auf damit!

Aber bekommt selbst einen kurzen Eindruck, hier ist der Trailer:

[Den Trailer gibt es nur auf Englisch, ein Transkript ist momentan leider auch nicht vorhanden.]

Und annstatt jetzt mit einer Zusammenfassung zu langweilen, kommen hier meine persönlichen Highlights aus MissRepresentation:

  • Eine junge Studentin, Devanshi Patel, erzählt, wie sie schon als kleines Mädchen immer wieder für verschiedene Ämter in ihrer Schule oder Gemeinde kandidiert hat: „Wann immer es eine Wahl gab, habe ich mich gar nicht erst um das Amt einer Vize-Irgendwas beworben, sondern bin direkt für das Amt der Präsidentin ins Rennen gegangen.”
    Und ihre Energie, ihr Enthusiasmus mehr zu wollen und eben gerade nicht klein anzufangen, war einfach ansteckend.
  • 17% aller Hauptrollen in Filmen [ich glaube es bezog sich vor allem auf Hollywood] sind weiblich. Und, wie eine der im Film interviewten Frauen erläuterte: „Selbst vermeintlich starke, unabhängige Frauencharaktere sind oft nicht mehr als eine Attrappe, nicht wirklich emanzipiert. Vor allem im Action- Genre kommt das vor, ich nenne diesen Archetyp „the fighting f*ck toy” [das kämpfende F*ck-Spielzeug].”
  • Ein High-School-Schüler, der berichtete: „Ich will nicht mitmachen bei dieser misogynistischen Behandlung von Frauen.”
  • Eine Frau erklärte, dass sie ihre Kinder beim Fernseh schauen auf gewisse Dinge hinweist: Fiel euch auf, dass in der Gruppe nur ein Mädchen ist? Was wäre, wenn dieser Charakter weiblich ist? Aber vor allem: Warum trägt sie sowas/gar nichts, wenn sie doch eigentlich gerade jemandem das Leben rettet?
  • Wunderbar war auch das Lachen, dass sich im Saal ausbreitete, als eine „Checkliste” für Politiker erschien, die eben viel zu oft voll erfüllt wird: männlich [Häckchen], Weiß [Häckchen], heterosexuell [Häckchen], abgeschlossenes Studium [Häckchen]… Mit jedem Punkt wurde das Lachen lauter – wie absurd es plötzlich allen vorkam, dass diese Eintönigkeit innerhalb unserer politischen Elite irgendwie gut und richtig sein könnte.

Nun, ja, aber natürlich war auch nicht alles rosig und klare Abstriche bekommt der Film für die weitgehend fehlende intersektionelle Perspektive:

  • Obwohl einige Schwarze Frauen und PoC interviewt wurden, ging es nie explizit um die unterschiedlichen Dynamiken, die diese Frauen* betreffen. Condoleezza Rice, Ex-Außenministerin der USA, wird interviewt und erwähnt die Diskriminierung aufgrund von „race” kurz, es wird dann aber nicht weiter darauf eingegangen.
  • Repräsentation und Sichtweisen von Menschen mit Behinderungen fehlen völlig, was mich umso mehr irritiert hat, da es ja genau um Körperbilder und Normen ging.
  • Ebenso fehlt die Perspektive von Trans*-Menschen und intersexuellen Menschen völlig.

Probleme rund um Sexualität und Gender wurden von einer Interviewten angesprochen, vor allem kam aber während des ganzen Films sehr klar heraus, dass Medien eben mit einem [unheimlich engstirnigen] männlich-heterosexuellen Blick auf Frauen* schauen und im Umkehrschluss wurde deutlich, dass viele Menschen diese Kategorien, warum auch immer, nicht erfüllen.

Der Film zeigt viele der Bilder aus Mainstream-Medien, die frauenverachtend und sexistisch sind – eine Reproduktion von Sexismus? Das ist natürlich wie so oft eine Gradwanderung. Um einen Effekt von Schock und Wut bei den Zuschauer_innen zu erzielen, war es sicher nötig diese Bilder zu zeigen. Wobei es ein paar weniger halb-nackte Brüste sicher auch getan hätten, irgendwann hatte ich den Dreh raus. Aber [!] diese Bilder wurden gut aufgefangen, sie blieben nicht im Raum stehen, sondern wurden klar und eindrucksvoll analysiert – und erhielten eine klare Absage. Die Bilder verloren ihre Wirkungskraft mehr und mehr, und ihnen wurden beeindruckende und bewegende Bilder entgegengesetzt, von den Frauen, die für eine faire, respektvolle Darstellung einstehen. Und genau diese positiven Bilder blieben auch hängen!

Der Film will zum Handeln motivieren und das sollte jede_r von uns tun! Hier ein paar Ideen, wo und wie mensch anfangen kann:

  • Organisiere ein Screening von MissRepresentation in deiner Uni, Arbeitsplatz, Sonstwas-Gruppe – mehr Infos unter missrepresentation.org
  • Ermutige Frauen um dich herum (oder dich selbst?) an Wahlen teilzunehmen, in der Schule, Uni, am Arbeitsplatz.
  • Mach den Mund auf und weise Menschen darauf hin, dass in einem Film keine Frau vorkommt oder sie sexualisiert ist oder nur um einen Mann kreist oder…
  • Schau einen Film, der den Bechdel-Test besteht, hier eine Liste.
  • Schau einen Film, der von einer Frau produziert und geleitet wurde.
  • Interessiert in Pop-Culture und Gender? Schau die Videos von Anita Sarkeesian unter feministfrequency.com an.
  • Gib einer Frau ein Kompliment, das nichts mit ihrem Aussehen zu tun hat.
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